Ayahuasca: Was ist es, wie wirkt es und welche Risiken gibt es?

  • , Von Noah van Knippenberg
  • 9 min Lesezeit
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Ayahuasca ist ein halluzinogenes Getränk aus Südamerika. Man hört immer häufiger davon, auch in Deutschland. Da der Trank massive Auswirkungen auf Körper und Geist hat, besteht ein großer Bedarf an sachlichen Fakten. Dieser Blog bietet Ihnen Informationen darüber, was Ayahuasca ist, wie es wirkt und welche Risiken mit dem Konsum verbunden sind.

Haftungsausschluss (Disclaimer): Dieser Text dient ausschließlich der Information. Ayahuasca ist in Deutschland illegal und der Besitz sowie Konsum verstoßen gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Der Gebrauch ist nicht ohne Gefahr. Es bestehen erhebliche Risiken für Ihre Gesundheit, sowohl körperlich als auch psychisch. In Kombination mit bestimmten Medikamenten kann die Einnahme sogar tödlich sein. Dieser Text stellt keine medizinische Beratung dar.

Was ist Ayahuasca?

Ayahuasca stammt aus dem Amazonasbecken in Südamerika. Indigene Völker wie die Shipibo in Peru nutzen das Gebräu bereits seit Jahrhunderten. Der Name stammt aus der Sprache der Quechua: „Aya“ bedeutet Seele, Geist, Toter oder Vorfahre. „Huasca“ bedeutet Seil, Liane oder Schlingpflanze. Man kann es also als „Liane der Seele“ übersetzen. In anderen Regionen wird es auch als Yagé, Hoasca, Caapi, Daime oder „La Purga“ bezeichnet.

In der Tradition trinken Menschen den Sud im Rahmen eines Rituals. Dies geschieht unter der Leitung eines Schamanen oder Curandero. Ayahuasca wird verwendet, um zu heilen, zu reinigen oder die Zukunft vorherzusagen. Es wird auch in einem religiösen Kontext genutzt; Gemeinschaften wie die Santo Daime-Kirche und die União do Vegetal verwenden es beispielsweise als heiliges Sakrament. Bei verschiedenen Stämmen ist die Zeremonie zudem ein festes Einritual in das Erwachsenenalter für Jungen um das dreizehnte Lebensjahr. Traditionelle Zeremonien finden meist nach Sonnenuntergang in einem abgedunkelten Raum statt. Die Teilnehmer liegen in einem Kreis und werden stundenlang von Musik und Gesang oder auch von lang anhaltender Stille begleitet, die nur durch das Geräusch von Menschen unterbrochen wird, die sich übergeben müssen.

Über die frühe Geschichte von Ayahuasca im Amazonasgebiet ist wenig bekannt, doch im Jahr 1851 war der britische Botaniker Richard Spruce der erste Westler, der die Pflanzen sammelte und beschrieb. In der westlichen Welt wurde das Gebräu erst 1963 durch die Veröffentlichung des Buches „The Yage Letters“ der Schriftsteller William S. Burroughs und Allen Ginsberg einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Seit den 1990er Jahren hat das Interesse an Ayahuasca auch in Europa und Deutschland stark zugenomen, was zur Entstehung einer aktiven, wenn auch im Untergrund agierenden Gemeinschaft geführt hat.

Ein großer Metallkochtopf von oben gesehen, gefüllt mit einer Mischung aus zerkleinerter brauner Baumrinde und einigen grünen Blättern. Der Topf steht im Freien auf einem Holzuntergrund und wird für die traditionelle Zubereitung von Ayahuasca verwendet.

Wie wirkt Ayahuasca?

Der Tee wird in der Regel aus zwei spezifischen Pflanzen hergestellt. Die erste ist die Liane einer Kletterpflanze, die Banisteriopsis caapi. Die zweite ist ein Strauch, der oft Psychotria viridis (Chacruna) genannt wird.

In den Blättern dieses Strauches ist DMT enthalten. Dies ist eine starke psychoaktive Substanz, die Halluzinationen auslöst. Würde man nur diese Blätter essen oder als Tee trinken, gäbe es keine berauschende Wirkung. Der Magen und die Leber bauen das DMT nämlich sofort ab. Verantwortlich dafür sind spezielle Enzyme im Körper, die sogenannten MAO-Enzyme. Das DMT erreicht so niemals das Gehirn.

Hier kommt die zweite Pflanze ins Spiel. Die Liane (Banisteriopsis caapi) enthält nämlich MAO-Hemmer wie Harmin und Harmalin. Diese Stoffe sorgen dafür, dass der Körper das DMT vorübergehend nicht abbaut. Dadurch gelangt das DMT über die Blutbahn in das Gehirn, was schließlich zu der starken Veränderung des Bewusstseins führt.

Obwohl die Basis oft gleich ist, hat jeder Schamane sein eigenes Rezept. Manchmal werden andere Pflanzen hinzugefügt, wie Tabak, Cannabis, Stechapfel (Datura) oder Engelstrompete (Brugmansia), um die Erfahrung zusätzlich zu steuern. Unerfahrenen Nutzern wird von solchen Mischungen jedoch dringend abgeraten. Es gibt auch Varianten wie „Anahuasca“, bei denen die Liane beispielsweise durch Samen der Steppenraute (Peganum harmala) ersetzt wird. Dies ist einfacher zuzubereiten und liefert laut Konsumenten eine etwas weniger intensive Erfahrung.

Nahaufnahme einer dicken, geflochtenen Liane der Banisteriopsis caapi-Pflanze. Die Liane hat eine raue, braune Rinde mit grünen Moosakzenten und liegt auf einem Stapel gesägter Holzstücke in einer dunklen Umgebung.

Welche Wirkungen hat Ayahuasca?

Ein Trip dauert meist 4 bis 6 Stunden, kann sich aber auf bis zu 8 Stunden ausdehnen. Man sieht starke Bilder mit leuchtenden Farben und Mustern, die sich bewegen. Alles fühlt sich anders an: die Zeit, der Raum, die eigenen Gedanken und Emotionen. Nichts ist mehr so, wie man es kennt.

Für viele Menschen ist es eine tiefgreifende spirituelle Erfahrung. Sie haben das Gefühl, Kontakt zu anderen Wesen aufzunehmen, oder gewinnen Erkenntnisse, die ihr Leben verändern. So können beispielsweise tiefe Traumata verarbeitet werden, die schon lange bestehen.

Die Reaktion des Körpers

Der Körper reagiert oft sehr heftig. Es kann zu starkem Schwitzen kommen, die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen an und es kann zu Schwindelgefühlen kommen. Zudem fühlt sich der Körper oft sehr schwer an.

Fast jeder Konsument verspürt starke Übelkeit. Häufiges Erbrechen und Durchfall sind die Regel. In der Tradition wird dies als „La Purga“, also die Reinigung, bezeichnet. Das Erbrechen wird dort nicht als negativ angesehen, sondern als Weg, Körper und Geist von negativen Energien zu befreien.

Was sind die Risiken und Gefahren von Ayahuasca?

Der Konsum von Ayahuasca ist mit erheblichen Risiken verbunden, sowohl für die psychische als auch für die körperliche Gesundheit.

Psychische Risiken

Es kann zu einem „Bad Trip“ kommen – eine Erfahrung, bei der man extreme Angst oder Verwirrung verspürt. Man kann das Gefühl verlieren, die Kontrolle zu haben, oder paranoide Zustände erleben. Ohne professionelle Hilfe kann dies sogar zu einem dauerhaften Trauma führen. Wer anfällig für psychische Probleme ist, sollte besonders vorsichtig sein: Ayahuasca kann Probleme wie Depressionen, Ängste oder Psychosen plötzlich hervorrufen oder massiv verschlimmern.

Gefahren für den Körper

Die MAO-Hemmer im Trank sind in Kombination mit bestimmten Lebensmitteln gefährlich. In gewöhnlichen Produkten wie gereiftem Käse oder Sauerkraut ist der Stoff Tyramin enthalten. Durch den MAO-Hemmer kann sich dieser Stoff gefährlich im Körper anreichern, was zu lebensbedrohlichem Bluthochdruck führen kann. Daher muss im Vorfeld eine sehr strenge Diät eingehalten werden.

Medikamente und Drogen

Es ist lebensgefährlich, Ayahuasca mit bestimmten Medikamenten zu kombinieren. Dazu gehören Antidepressiva (insbesondere SSRI), Antipsychotika oder Beruhigungsmittel. Auch Drogen wie Ecstasy (MDMA) vertragen sich absolut nicht mit Ayahuasca. Diese Kombination kann zum Serotoninsyndrom führen, das tödlich enden kann.

Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass Teilnehmer im Vorfeld gründlich untersucht werden. Ein Fachmann muss den medizinischen und psychischen Hintergrund prüfen. Eine professionelle Begleitung ist zwingend notwendig, um schwere Zwischenfälle zu vermeiden.

Medizinische und wissenschaftliche Perspektive

In der modernen Wissenschaft wächst das Interesse an möglichen therapeutischen Anwendungen von Ayahuasca bei komplexen Erkrankungen wie Depressionen, PTBS und Suchtproblematiken. Ein entscheidender Referenzpunkt ist hierbei eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie aus dem Jahr 2018 (Palhano-Fontes et al.), veröffentlicht in Psychological Medicine.

In dieser klinischen Studie wurde die Wirksamkeit einer einmaligen Dosis Ayahuasca bei Patienten mit therapieresistenter Depression untersucht. Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Die Gruppe, die Ayahuasca erhielt, zeigte eine signifikante Abnahme der depressiven Symptome im Vergleich zur Kontrollgruppe. Obwohl diese Ergebnisse hoffnungsvoll stimmen, betonen Forscher, dass dieses Resultat in einem streng kontrollierten medizinischen Umfeld mit professioneller Begleitung und gründlichem Screening erzielt wurde.

Das Problem mit der Forschung

Ein großes Problem besteht darin, dass jeder Schamane oder Anbieter sein eigenes Rezept verwendet. Dadurch lässt sich nie genau bestimmen, wie stark der Trank ist oder welche Inhaltsstoffe er exakt enthält. Da es keinen Standard gibt, bleibt die Messung für die moderne Medizin äußerst schwierig.

Eine deutliche Warnung

Ärzte und Psychiater sind sich in einem Punkt absolut einig: Für Menschen, die aktuell unter psychischen Problemen leiden oder in der Vergangenheit darunter gelitten haben, ist der Konsum brandgefährlich. Für sie sind die Risiken schlichtweg zu unkalkulierbar.

Rechtliche Situation in Deutschland

In Deutschland ist Ayahuasca illegal. Der entscheidende Wirkstoff DMT ist in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) aufgeführt. Das Gesetz stuft es somit als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel ein, das ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt. Der Besitz, die Herstellung und der Handel sind streng verboten.

Anders als zeitweise in anderen Ländern gab es in Deutschland nie eine allgemeine Ausnahme für religiöse Gemeinschaften wie die Santo Daime-Kirche. Deutsche Gerichte haben die Religionsfreiheit in diesem Fall wiederholt hinter den Gesundheitsschutz der Bevölkerung gestellt. Auch Alternativen wie Psilohuasca (eine Mischung aus MAO-Hemmern und psilocybinhaltigen Pilzen oder Trüffeln) fallen unter das BtMG und sind in Deutschland ebenfalls strikt verboten.

In einigen Ländern Lateinamerikas ist Ayahuasca hingegen legal und wird oft als kulturelles Erbe geschützt. In den meisten europäischen Ländern, wie zum Beispiel auch in Frankreich, ist es jedoch streng untersagt.

Sicherheit und verantwortungsbewusster Umgang

Sollten Sie trotz der rechtlichen Lage eine Zeremonie (beispielsweise in Ländern, in denen dies legal ist) in Erwägung ziehen, müssen die Risiken so gering wie möglich gehalten werden. Dies sollte nur in einer sicheren, ruhigen Umgebung geschehen, in der Sie sich wohlfühlen. Zudem ist es wichtig, dass Sie sowohl körperlich als auch mental absolut fit sind.

Eine professionelle Begleitung ist unerlässlich. Wählen Sie eine Organisation, die Ihre Fragen ernst nimmt und einen medizinischen Vorab-Check durchführt. Seriöse Anbieter geben zudem klare Regeln für die notwendige Diät vor. Erhalten Sie keine Ernährungsvorgaben? Dann ist das ein Warnsignal. Seien Sie zudem vorsichtig mit dem Begriff „Schamane“ – dieser ist nicht geschützt, und nicht jeder, der sich so nennt, bietet eine sichere Umgebung.

Bestimmte Gruppen dürfen Ayahuasca unter keinen Umständen konsumieren: Schwangere oder Stillende müssen unbedingt darauf verzichten. Das gilt auch für Menschen mit psychischen Vorerkrankungen wie Psychosen. Zudem darf Ayahuasca niemals eingenommen werden, wenn Sie Antidepressiva oder Antipsychotika einnehmen.

Nahaufnahme von tätowierten Händen, die eine dunkelbraune Flüssigkeit, Ayahuasca, aus einer Plastikflasche in kleine weiße Becher gießen. Die Becher stehen auf einer farbenfroh gewebten Decke mit traditionellen Mustern, umgeben von zeremoniellen Gegenständen.

Fazit

Ayahuasca ist ein extrem kraftvoller Sud aus dem Amazonas, der auf jahrtausendealten Traditionen basiert. Durch die Kombination von DMT und MAO-Hemmern wird ein tiefer psychedelischer Zustand ausgelöst. Während viele Nutzer von spirituellen Erfahrungen berichten, ist der Prozess für den Körper eine enorme Belastung.

Die Risiken für Körper und Geist sind massiv, insbesondere bei Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme. Fundierte Informationen, ein strenger Vorab-Check und fachkundige Begleitung sind daher unverzichtbare Voraussetzungen für die Sicherheit.


Quellen

Dieser Blog basiert unter anderem auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Informationen folgender Institutionen:

Noah van Knippenberg

Noah van Knippenberg

Content Specialist Novus Fumus

Noah van Knippenberg schrijft voor Novus Fumus over kweektechnieken, paddenstoelen, en smartshop-onderwerpen. Vanuit zijn praktijkervaring vertaalt hij complexe onderwerpen naar toegankelijke en betrouwbare informatie.

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