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Der Anbau von Pilzen aus einem Sporenabdruck ist der beste Weg, um die volle Kontrolle über den gesamten Zuchtprozess zu erlangen. Aber seien wir gleich ehrlich: Dies ist definitiv keine Methode für Anfänger.
Die Arbeit mit losen Sporen und Agar erfordert äußerste Präzision, Geduld und eine fast chirurgische Sterilität. In der Luft schweben ständig Millionen unsichtbarer Bakterien und Schimmelsporen. Eine falsche Bewegung, und dein Nährboden verwandelt sich in ein Infektionsparadies.
Warnung: Bist du ein Anfänger?
Wenn dies deine erste Zucht ist, erspare dir eine Menge Frustration. Beginne am besten mit einem gebrauchsfertigen Zauberpilz-Growkit oder arbeite mit einer Flüssigkultur (Liquid Culture). Damit überspringst du die heikle Agar-Phase, das Kontaminationsrisiko ist um ein Vielfaches geringer und du siehst viel schneller Ergebnisse!
Möchtest du trotzdem den Schritt in die fortgeschrittene Pilzzucht wagen? Dann ist hier die Anleitung, wie du Schritt für Schritt mit Sporen und Agar arbeitest.
Stelle sicher, dass alle Utensilien an einem sauberen, zugluftfreien Arbeitsplatz bereitliegen, bevor du beginnst.

Bereit zur Inokulation: sterilisierte Getreidegläser an einem sauberen Arbeitsplatz, zusammen mit vorbereiteten Agarplatten.
Bevor du überhaupt etwas auspackst, solltest du deinen Arbeitsbereich in ein temporäres Labor verwandeln.
Desinfiziere nicht nur deine Hände, sondern besprühe auch deine Unterarme vollständig mit 70%igem Isopropanol. Sobald du später tiefer in einen Beutel oder eine Box greifst, willst du schließlich nicht, dass die nackte Haut deiner Arme die Umgebung kontaminiert.
Agar ist der Zwischenschritt, um zu überprüfen, ob deine Sporen sauber sind, und um das stärkste Myzel auszuwählen.
Warum mehrere Agarplatten?
Sporenabdrücke sind selten zu 100 % steril. Indem du mehrere Platten anlegst, streust du dein Risiko. Sollte eine Platte mit Schimmel oder Bakterien infiziert werden, hast du noch weitere Platten übrig, auf denen gesundes Myzel wachsen kann.

Ein Agartest mit Kontamination. Der weiße Flaum ist Myzel, aber die kleinen, einzelnen Punkte und Verfärbungen deuten auf Bakterien oder unerwünschte Schimmelpilze hin, die du herausklonen musst.
Nach ein paar Tagen bis zu zwei Wochen wirst du feine, weiße Fäden bemerken: das Myzel.
Gibt es eine kleine Kontamination auf der Platte, aber du siehst auch ein schönes Stück gesundes, strahlend weißes Myzel? Dann wirst du dieses isolieren (klonen):

Das ideale Ergebnis auf Agar: Eine Petrischale mit kräftigem, schneeweißem Myzel ohne jegliche Kontamination, bereit zum Ausschneiden.
Hast du eine perfekt saubere Agarplatte voller gesundem Myzel? Dann ist es Zeit für den Wechsel in deinen Growbag oder Substrat-Cake.

Vollständig kolonisierte Growbags. Der Cake ist komplett weiß vom Myzel und bereit, eventuell in ein Bulk-Substrat überführt zu werden.
Sobald das kostbare Stück Myzel in deinem Growbag ist, beginnt die Geduldsprobe. Stelle deinen Growbag an einen dunklen, warmen Ort (idealerweise zwischen 20°C und 24°C). Nun heißt es warten, bis die Natur ihre Arbeit erledigt.
In den kommenden Wochen wird sich das schneeweiße Myzel langsam von dem Agarblock aus ausbreiten. Sobald der Inhalt des Beutels zu etwa 30 % mit Myzel bedeckt ist, knetest du den Beutel vorsichtig, um den Cake aufzubrechen. Verteile das weiße Myzel gleichmäßig im Substrat, um die Kolonisierung zu beschleunigen. Achtung: Mache das maximal einmal! Wenn du es zu oft tust, erschöpfst du das Myzel.
Sobald dein Beutel vollständig kolonisiert ist (zu 100 % mit weißem Myzel bedeckt), bricht die nächste Phase an. Du kannst dich entscheiden, direkt aus dem Beutel heraus zu züchten, aber für eine viel größere Ernte überführst du das Myzel in ein Bulk-Substrat (wie pasteurisierter Kokostorf gemischt mit Vermiculit). Dieser Prozess ist als „Spawning to Bulk“ bekannt.
Brich deinen vollständig kolonisierten Cake in kleine Stücke auf und mische diese in einer sauberen, desinfizierten Zuchtbox (einer Monotub) gründlich mit deinem Bulk-Substrat. Verschließe die Box und lass das Myzel im Dunkeln erneut wachsen, bis auch diese gesamte Oberfläche mit einem starken, weißen Netzwerk bedeckt ist.

Die Belohnung nach einem sterilen Zuchtprozess: eine volle Zuchtbox mit gesunden Pilzen während der Fruchtungsphase.
Sobald dein Bulk-Substrat (oder dein Beutel) zu etwa 80 % vom Myzel kolonisiert ist, wird es Zeit, die Fruchtungsphase (Fruiting) einzuleiten. Das Myzel benötigt nun Reize, um Pins (Baby-Pilze) zu bilden, wobei Licht, Feuchtigkeit und vor allem Sauerstoff entscheidend sind.
Während des Wachstums produziert das Myzel Kohlendioxid (CO2). CO2 ist schwerer als Luft und sinkt auf den Boden deiner Zuchtbox oder deines Beutels. Wenn diese CO2-Schicht zu dick wird, ersticken die Pilze und wachsen schlecht oder verformt (oft erkennbar an langen Stielen mit flauschigen weißen Füßen). Um dies zu verhindern, musst du mit dem FAE (Frequent Air Exchange / Häufiger Luftaustausch) beginnen.
Halte diese Bedingungen aufrecht, und in kürzester Zeit wirst du die ersten magischen Köpfchen sprießen sehen. Viel Erfolg bei deiner Zucht!
Noah van Knippenberg
Content-Spezialist Novus Fumus
Noah van Knippenberg schreibt für Novus Fumus über Anbautechniken, Pilze und Smartshop-Themen. Aus seiner Praxiserfahrung heraus übersetzt er komplexe Themen in zugängliche und zuverlässige Informationen.
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